ein Tag im Potsdamer Extavium

Gestern war nach einer ungeplanten halbjährigen Pause mal wieder ein Familientreffen der Mensa Kids. Das fand im Extavium in Potsdam statt (früher hieß es Exploratorium). In einer sehr großen Halle waren Experimente über Experimente ausgestellt. Bei den meisten war es hilfreich, den kurzen Anleitungstext zu lesen, um zu verstehen, was man machen sollte, und wie das dann zu beobachtende Phänomen wissenschaftlich zu erklären ist.

Da ich aber ständig hinter Janosch herrennen musste, hatte ich nicht viel Zeit, Pascale die Experimente zu erklären bzw. die Tafeln vorzulesen. Zumal beide Kinder dauernd in verschiedene Richtungen davonliefen. Janosch wollte anfangs nur spielen, rannte umher und schrie lauthals: “fang mich doch, Eierloch”. Das war vielleicht peinlich. Hat ihm Pascale beigebracht. Und er ist immer auf die Experimentieranordnungen draufgeklettert, was natürlich nicht erlaubt war. Ich habe mir dann aber auch immer mal zwischendurch ein Experiment angeschaut und schwupps, war Janosch verschwunden. Pascale war sowieso verschwunden.

Dann bin ich jedesmal durch die Halle gelaufen, um meine Kinder wieder zu suchen. Meistens habe ich mindestens drei Runden gebraucht, um wenigstens einen von beiden wiederzufinden. Janosch rannte aber immer wieder von mir weg und kurze Zeit später hat er mich dann gesucht. Laut “mama” rufend ist er dann umhergelaufen. Aber er lief nie wieder dahin, wo er von mir weggelaufen war. Irgendwie ist sein Orientierungssinn noch nicht so weit entwickelt. Einmal kam er an und hatte eingepullert. Da musste ich ihm erstmal trockene Sachen anziehen.

Ich hatte kaum Zeit, mich auch mal mit den anderen Eltern zu unterhalten, die es sich draußen in der Sonne gemütlich gemacht hatten, denn die meisten Kinder waren schon so groß wie Pascale und älter, die konnten sich allein beschäftigen. Da ich Pascale fast nie sah, fragte ich mich, was sie eigentlich tat. Ich sah sie auch nie mit anderen Kindern zusammen.

Seit 11 Uhr waren wir drin im Extavium. Gegen 14.00 Uhr sagte mir Pascale, dass sie sich wünscht, ich würde mehr bei ihr bleiben und die Experimente mit ihr zusammen ausprobieren. Ein paar Experimente haben wir dann auch ausprobiert. Zwischendurch habe ich immer mal wieder Janosch gesucht. Gegen 16 Uhr fragte ich Pascale, ob wir nicht langsam nach Hause gehen wollten, denn in zwei Stunden macht das Extavium sowieso zu. Pascale reagierte völlig fassungslos: “Was, in 2 Stunden schon? Ich will noch hierbleiben.”

Sie konnte wahrlich nicht genug bekommen. Am liebsten wäre sie wahrscheinlich 3 Tage in dem Ding geblieben, ohne dass ihr langweilig geworden wäre. Erstaunlich. Na ja, langweilig fand ichs auch nicht, aber auf die Dauer war es doch sehr anstrengend, in dem Gewühl immer wieder nach meinen Kindern zu suchen. Ich glaube, ich habe höchstens die Hälfte aller Experimente gesehen.

Janosch entdeckte übrigens nach einer Weile auch seinen Forscher- und Entdeckerdrang. Er fing an, die Dinge richtig auszuprobieren, anstatt nur darauf herumzuklettern und wilde Fangspiele zu initiieren. Er gestaltete die Schlauchbahn so, dass die Kugeln, die man durch die Schläuche rollen lassen konnte, immer wieder direkt zu ihm zurückkullerten, so dass er sich den Weg zum Wiederholen der Kugeln sparen konnte. (Das war im ursprünglichen Experiment noch nicht mal vorgesehen, es ging eigentlich darum, die Schläuche zu verlegen und vorherzusagen, aus welchem Schlauch die Kugel als erstes am Ende wieder herauskommen würde).

Er probierte mit mir mehrmals das Schlauchtelefon aus und hatte großen Spaß dabei. Er fuhr auf dem kleinen Fahrrad, bei dem durch das Treten ein Strom erzeugt wurde und eine Lampe zu leuchten anfing. Er drehte an allen Kurbeln und freute sich über den Wind, den er damit erzeugte. Er warf den Ball über die Luftdusche, sodass dieser flog und tanzte, ohne wieder herunterzufallen. Er schaute sich mit mir Bilder im zylindrischen Spiegel an. Er machte Wellen mit der Wellenmaschine. Zwischendurch tobte er mal im Kletterturm, auf der Rutsche und im Bällchenbad herum. Und dann baute er mit Legeosteinen Rechentürme (okay, die waren noch nicht korrekt gebaut, weil er die Zahlen auf den Bausteinen nicht kannte und noch nicht rechnen kann) und erforschte den Magnetismus und die Fliehkraft und ……. Ab 17 Uhr etwa war ihm dann anzumerken, dass er müde wurde. Die Konzentration ließ nach, er fing wieder an zu toben. Pascale haben wir nicht vor der Schließungszeit da herausbekommen und auch dann nur mit Murren, aber Janosch gab zu, dass er todmüde war und schlief dann unterwegs im Auto schon mal ein. Als ich ihn vom Auto ins Bett trug, murmelte kaum verständlich “will aber noch spielen”. Ich lachte nur und sagte “du schläfst doch schon”. Aber als ich ihn auszog, ist er doch wieder wachgeworden und hörte Pascale unten reden. Da wollte er auch wieder runter, sprang aus dem Bett, ließ sich von Pascale Papier und Stift geben und malte Bilder. Mann oh Mann, das hätte ich nicht gedacht.

Sehr schön fand ich übrigens die rotierenden Scheibe, auf die man Gummiringe legen oder darüberrollen konnte. Normalerweise kann man sehen, wie die Ringe aus ihrer Bahn geworfen werden. Aber als ich sie mit ein bisschen Rückwärtsdrall auf die Scheibe aufsetzte, vollführten sie sekundenlange Tänze auf der Scheibe. Das machte Spaß, da wollte ich gar nicht wieder aufhören, auszutesten, bei welcher Bewegung sich die Ringe wie verhalten.

Pascale sah ein paarmal der Demonstration der Vakuumpumpe zu. Kein Wunder, da gab es für jedes Kind einen Schokokuss zu futtern. Allerdings erst am Ende des Experiments. Zunächst stellte jedes Kind einen Schokokuss auf eine runde Unterlage. Darüber wurde eine Glasglocke mit einem Ventil gestülpt. Dann musste jedes Kind eine Weile pumpen. Eine Saugpumpe saugte die Luft unter der Glocke heraus. Irgendwann fingen die Schokoladenüberzüge der Schokoküsse an zu platzen, weil sich der Eischnee ausdehnte. Die wurden größer und größer. Als die Kinder nicht mehr genug Kraft hatten zum Pumpen, erklärte ein Mitarbeiter des Extaviums, was dabei passierte. Und dann durften sie versuchen, die Glasglocke hochzuheben. Hat natürlich keiner geschafft. Der Mitarbeiter fragte dann, was zu tun sei, damit man die Glocke wieder abkriegt und die Schokoküsse essen kann. Da kamen eine ganze Menge Ideen. Zum Beispiel die Unterlage abheben. Der Mitarbeiter meinte, ja, das würde gehen, hat auch schon mal jemand gemacht (haben sie wohl nicht gut genug aufgepasst) und dabei ist folgendes passiert: Die ganze Glocke samt Schokoküssen flog quer durch die Halle und alles am Ende waren die Schokoküsse fein in der Gegend verteilt. Schöne Schweinerei. Hihi. Naja, die richtige Lösung ist, dass man das Ventil an der Glocke öffnet, um mit einem kräftigen Zischen wieder Luft hereinzulassen. Und dann konnten die Kinder die Glocke abheben und jeder einen Schokokuss vernaschen.

Interessant auch die Tische, wo man aus Legosteinen ein Labyrinth aufbauen sollte, in das dann eine asiatische Hausmaus gesetzt wurde, die im Labyrinth ein paar Sonnenblumenkerne finden sollte. Vorher erklärte ein Mitarbeiter wieder einiges über die Maus. Und dann konnte man zuschauen, wie die Maus den Weg zu den Sonnenblumenkernen suchte und fand und dabei wurde die Zeit gestoppt. Vorher sollten die Kinder mal schätzen, wie lange die Maus brauchen würde. Ich habe 3 Durchgänge miterlebt: einmal 1 Minute 20, einmal 44 Sekunden und einmal 42 Sekunden. Was man dabei jetzt so rein wissenschaftlich lernt, ist mir allerdings nicht klar geworden.

Ja, und von all den vielen anderen spannenden Sachen will ich hier nicht mehr berichten, da würde ich wahrscheinlich ein paar Tage brauchen. Jedenfalls war das ein sehr schöner Tag für uns alle drei. Philipp war ja zuhause und baute am Fußboden des Wintergartens, wo wir dann hoffentlich bald einen schönen Fliesenfußboden haben werden.

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