endlich gehts los mit der Schule

Am vergangenen Sonnabend war die Einschulung. Pascale kam schon um halb sechs Uhr früh zu uns ins Schlafzimmer gestürmt. “Aufstehen, ich muss in die Schule!” Oh nein, doch jetzt noch nicht, lass uns weiter schlafen.

Und es klappte sogar, dass wir alle noch ein bisschen schlafen konnten. Gegen neun Uhr zogen wir los ins Volkshaus. Da war schon alles fast voll, aber wir bekamen doch noch Plätze, aber ziemlich weit hinten. Die Klassenlehrerin hatte schon gewartet und nahm die Kinder mit nach vorn. Zuerst sprach der Direktor ein paar Begrüßungsworte. Er fragte die Kinder, ob jemand seinen Namen kennt: Ein Kind rief “ja” und er hielt ihr das Mikrofon hin, worauf laut und deutlich kam: “Elena!” Großes Gelächter im Saal. Und der Direktor sagte: “Spaß muss sein, neulich hat mich jemand mit Frau angeredet, aber mein richtiger Name ist Herr Fischer.” Na gut. Nach der Begrüßung spielte die 5. Klasse ein kleines Theaterstück von einem Drachenkind, das in die Schule kommt, aber ein ekliger Angeber ist und der lernen muss, nett zu den anderen zu sein, damit er Freunde findet. Für Pascale ganz passend, die hat ja auch so eine Art, überheblich zu sein, die viele andere nicht mögen. Hoffentlich lernt sie es bald. In ihrer Klasse und Hortgruppe sind jedenfalls bisher lauter nette Kinder.

Nach dem Theaterstück rief Herr Fischer alle Kinder mit Namen nach vorn. Dort bekamen sie ein Basecap aufgesetzt und eine Rose überreicht, dazu noch ein paar gute Worte und dann durften sie abziehen und wurden mit einem Bus zur Schule gefahren. Merkwürdig fand ich, dass er zuerst alle Jungs aufgerufen hat und dann alle Mädchen. Und dann hat er auch noch gesagt: “Und der letzte Junge ist Pascal Bartels. Und jetzt die Mädchen.” Das fand ich ja sehr peinlich. Ihm wurde dann natürlich zugerufen, dass Pascale ein Mädchen ist und dann hat er sich nochmal korrigiert und entschuldigt. Als ich Pascale abends im Bett danach fragte, meinte sie, sie fände das nicht schlimm, er hat es eben nicht gewusst. Aber wenn wir Glück haben, hat er es sich somit gleich für alle Zeiten gemerkt.

Als die Kinder raus waren, hat uns Herr Fischer noch eine Viertelstunde zugetextet. Ein Gedanke von den vielen, die er da noch loswerden wollte, hat mir sogar gut gefallen:

Wahrscheinlich gibt es nicht viele Berufe, an die die Gesellschaft so widersprüchliche Anforderungen stellt:

Gerecht soll er sein, der Lehrer, und zugleich menschlich und nachsichtig,

straff soll er führen, doch taktvoll auf jedes Kind eingehen,

Begabungen wecken,

pädagogische Defizite ausgleichen,

Suchtprophylaxe und Aids-Aufklärung betreiben,

auf jeden Fall den Lehrplan einhalten,

wobei hochbegabte Schüler gleichermaßen zu berücksichtigen sind wie begriffsstutzige.

Mit einem Wort:

Der Lehrer hat die Aufgabe, eine Wandergruppe mit Spitzensportlern und Behinderten bei Nebel durch unwegsames Gelände in nordsüdlicher Richtung zu führen, und zwar so, dass alle bei bester Laune und möglichst gleichzeitig an drei verschiedenen Zielorten ankommen.

Ich finde, genauso ist es. Wenn man das immer schön im Hinterkopf behält, dann wird man bestimmt nicht mehr über die Lehrer meckern wollen.

Bisher ist Pascale mit ihrer Lehrerin jedenfalls zufrieden.

Nach der kurzen Schulstunde haben wir dann unser Kind vor der Schule mit der Zuckertüte empfangen dürfen. Janosch war glücklich, dass er auch eine kleine Zuckertüte bekommen hat. Er war schon vorher sehr enttäuscht worden, als Oma Dorle kein Geschenk für ihn mitbrachte und Oma Elvira auch nur Pascale Blumen mitbrachte. Zuhause hat er seine Zuckertüte aufgerissen und ausgeschüttet, ein paar Süßigkeiten genascht und dann alles mitten im Wohnzimmer liegengelassen. Dann waren wieder andere Sachen wichtig.

Pascale ist mit ihrer Zuckertüte in ihrem Zimmer verschwunden und “verwaltet” seitdem ihre Süßigkeiten. Manchmal gibt sie Janosch auch was ab. Ich weiß gar nicht, wieviel sie noch hat und wo sie die versteckt.

Wir haben dann sehr gemütlich den Rest des Tages verbracht, haben gegrillt, auf der Terrasse gesessen und das wunderbar sonnige, warme Wetter genossen. Irgendwie waren fast alle Erwachsenen sehr müde, also träge.Trotzdem waren fast alle mal kurz auf dem Trampolin. Am späten Nachmittag hat Pascale sich ihr Tanztrikot angezogen und hat auf dem Trampolin eine Aufführung geboten. Es war eine Mischung aus Springen und Tanzen und als sie alles durchhatte, was sie beim Ballett gelernt hat, ging sie dazu über, Tiere dazustellen, die wir raten sollten. Sie wollte gar nicht wieder aufhören und wir staunten alle nur, wie sie in der heißen Sonne so ausdauernd springen konnte. Wir hörten sie zwar schnaufen, aber sie sagte, es wäre überhaupt kein bisschen anstrengend gewesen. Aber ich war beeindruckt, dass ihre Ankündigung von einer Aufführung keine leere Versprechung war, sondern sie uns richtig was vorgeführt hat. In den vergangenen Jahren hatte ich es öfter erlebt, dass sie großes Gewese gemacht hat und dann kam gar nichts.

Und heute war dann so richtig der erste Unterrichtstag. Gestern habe ich noch ihr Hausaufgabenheft ausgefüllt und die Stundenpläne eingetragen und in den Flur gehängt und einige andere notwendige Formalitäten erledigt. Inzwischen kann ich ihren Stundenplan schon fast auswendig. Heute gab Deutsch, Mathe, Deutsch, Sachkunde. Leider konnte uns Pascale nichts davon erzählen, was im Unterricht gemacht wurde. Hat sie angeblich alles vergessen. Naja. In den Heften stand jedenfalls auch rein gar nichts. Außer im Hausaufgabenheft. Da klebte ein großer Zettel mit einer Biene und dem Text “Lob für fleißiges Lernen”. Boah! Soll wohl ein Motivationsanschub sein. Keine Ahnung, ob das alle Kinder bekommen haben. Pascale meinte, es war für gutes Zuhören und lernen. Morgen gehts dann schon mal los mit Englisch und Kunst. Vielleicht erfahren wir ja dann mehr von Pascale. Sie war heute allerdings etwas enttäuscht, dass noch nicht so richtig gerechnet wurde.

Hausaufgabe war das Bemalen einer Zuckertüte mit verschiedenen Linienformen. Pascale war im Hort nicht ganz damit fertiggeworden, also wollte sie das zuhause noch zu Ende malen. Aber es war schon so spät, weil wir erst um 6 vom Ballett kamen. Und da ich wollte, dass es schnell geht, habe ich ihr geholfen. Ich befürchte, das war nicht gut. Pascale wird jetzt bestimmt jeden Tag fragen, ob ich ihr helfe und dann artet das so aus, dass ich mache, während sie nur Kommandos gibt, wie es gemacht werden soll. Hm, einerseits hab ich ja Spaß dran, aber das bringt ihr ja nichts, dadurch lernt sie es ja nicht. Also werde ich mich wohl zurückhalten müssen und geduldig warten oder drängeln, bis Pascale sich bequemt, ihre Hausaufgaben selbst zu machen. Die Horterzieherin hat heute auch gleich schon wieder festgestellt, dass Pascale sehr langsam ist.

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