Logbuch: Cairns – Croyden

Wir verliessen Cairns Richtung Suedwesten und damit langsam, aber sicher den zivilisierten Teil Australiens. Im Atherton Tableland kann man nach der qualvollen, weil serpentinenartigen Durchquerung der Great Dividing Range noch einige schoene Kraterseen (Lake Barrine und Lake Eacham) fuer ein erfrischendes Bad nutzen und ein paar Wasserfaelle bestaunen (z.B. die Millaa Millaa Falls), aber hinter Ravenshoe beginnt der einsame Bush. Die Strasse wird schmaler, Fahrbahnmakrierungen fehlen meist. Ab dort fahren dann auch die Roadtrains, von denen wir heute jedoch nur zwei voellig unspektukulare getroffen haben. Irgendwie hatte ich mir die Dinger groesser (einschliesslich einer groesseren Staubwolke) vorgestellt. Das Land wurde ploetzlich flach und die Erde schon an vielen Stellen rot. Und ueberall tauchten Termitenhuegel auf. In rauhen Mengen. An der Farbe der Huegel konnte man immer erkennen, wie an dieser Stelle die Farbe des Erdbodens war: rot, gelb oder braun. Anfangs sahen sie aus wie halb geschmolzene Schneemaenner, spaeter schien die Sorte zu wechseln: die Huegel waren nur noch etwa einen halben Meter hoch und eher spitz – teilweise recht kunstvolle Bauwerke. An vielen Stellen gab es regelrechte Anhaeufungen von Termitenhuegeln, das wirkte dann immer wie ein verwilderter Friedhof.

17km hinter der Stelle, wo die Gulf Developmental Road am Kennedy Highway endet, geht es zu den Undara Lava Tubes. Vor 190.000 Jahren ist dort ein Vulkan ausgebrochen und die zum Meer fliessende Lava hinterliess gewaltige Basalthoehlen. Wir haben sie zwar leider nicht besichtigen koennen, weil wir eine halbe Stunde zu spaet kamen, um an der Fuehrung teilzunehmen (und ohne lassen sie einen nicht rein, aber die naechste Fuehrung waere erst am naechsten Tag gewesen), aber sie muessen ziemlich eindrucksvoll sein (sieht jedenfalls auch auf den Bildern so aus). Es gibt dort eine Undara Lava Lodge, wo man in umgebauten Eisenbahnwaggons ($98/Nacht) oder im Zelt uebernachten kann, aber das wollten wir dann auch nicht, sondern sind die Gulf Developmental Road weitergefahren ueber Georgetown bis Croyden.

Besonders gefaehrlich fuer Autofahrer auf dem Highway sind die Kuehe. Die Kuehe grasen zu beiden Seiten der Strasse. Zaeune gibt es nur zwischen den Laendereien der verschiedenen Farmer, nicht aber zur Strasse hin. Damit die Kuehe nun nicht ueber die Strasse auf das falsche Farmland laufen, gibt es an diesen Stellen sogenannte Grids, da fehlt ein Stueck im Asphalt und stattdessen sind da Eisenstangen (quer) im Abstand von einigen Zentimetern, gerade so, dass die Kuehe mit ihren Hufen durchrutschen – zum Ueberfahren mit dem Auto aber auch sehr unangenehm, egal bei welcher Geschwindigkeit.

Ueber das erste Verkehrsschild, dass davor warnte, dass Kuehe ganze Autos umwerfen, haben wir noch gelacht. Aber spaeter stand die erste Kuh (oder war es ein Stier?) am Strassenrand und wartete auf uns. Der wollte doch glatt den Kampf mit uns aufnehmen, aber wir haben kurz vorher gebremst und das Rindvieh lief ins Leere – oder besser: auf die andere Strassenseite ;-) Etwas spaeter stand gleich eine ganze Rinderfamilie am Strassenrand – schoen in einer Warteschlange aufgereiht. Als wir uns naeherten, wagte Papa Rindvieh den Vorstoss (“so, Kinder, jetzt zeig ich euch mal, wie man dumme Touristen aergert”) – aber er hatte irgendwie unsere Geschwindigkeit falsch berechnet oder unsere Bremswirkung falsch eingeschaetzt und so stand es 2:0 fuer uns und Papa hat sich vor seinen Kaelbern blamiert ;-)

Alle 150-200 km kommt man durch einen kleinen Ort, wo man das Notwendigste zum Leben erwerben kann. In einem dieser Nester (220 Einwohner) haben wir ein Hotel zum Uebernachten gefunden. Mit $57/Nacht zwar unverschaemt teuer und null Komfort (Container-Motel-Units kaum groesser als das Bett und Toiletten und Duschen extra), aber was soll man machen? Im naechsten Nest gibt es auch nichts besseres. Von 7-8.00 gibt es sogar etwas zu Essen. Vom Kochen hatte derjenige allerdings keine Ahnung, aber immerhin konnte man sattwerden. Und wieder konnten wir die indirekte Proportionalitaet zwischen der Groesse des Ortes und der Pommesportionen beobachten. Eine grosse Portion Chips&Gravy (Pommes mit brauner Sauce – $5.50) ist eine Riesenschuessel voll, die wir nicht mal zu zweit vertilgen konnten.

Die Kneipe, zu dem das Hotel gehoert (oder umgekehrt?), ist ziemlich unangenehm. Neben der ueblichen Kneipeneinrichtung (ein paar brummelnde, trinkende Gestalten am Tresen) gibt es zwei Billardtische, ueber die die Kaefer und Fliegen krabbeln (pro Spiel $2 waere sowieso wenig erbaulich gewesen) und ein paar Bilder von Leuten, die sich bei einer Party wahnsinnig gut amuesieren (den Bildern zufolge war die letzte gute Party hier Neujahr 2000).

Ein paar Meter ausserhalb des Ortes gibt es einen See, in den wir uns sofort und wie ueblich voellig durchgeschwitzt hineingestuerzt haben. Das Wasser war allerdings extrem truebe und braun und dazu so warm, dass man sich beim Baden nicht mal abkuehlen konnte. Auf dem Rueckweg vom See haben wir vom Scenic Lookout noch den Sonnenuntergang beobachtet – so wie auch ein paar andere Leute, die eine Bustour machen und im selben Hotel wie wir schlafen (muessen) – natuerlich wieder Deutsche dabei ;-)

Ansonsten haben wir bei der Information noch erfahren, dass zur Zeit ein paar Schulkinder wegen einem Fussballspiel im Ort sind und heute abend ein Film im Kino (wahrscheinlich ein sehr provisorisches Kino) gezeigt wird. Und es gibt hier einen Municipal Swimming Pool, den aber niemand benutzt hat.

Das einzige angenehme hier ist der gut sichtbare Sternenhimmel – einfach genial.

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