Logbuch: Coober Pedy

Fuer den Nachmittag hatten wir eine Tour gebucht, aber den Vormittag mussten wir irgendwie rumkriegen. Lange schlafen hat mal wieder nicht geklappt. Also nochmal in die Bibliothek und ein bisschen im Internet surfen, dann im Supermarkt Brot einkaufen und siehe da, das Obst- und Gemueseregal war frisch aufgefuellt. Mittwochs kommt abends eine LKW-Ladung mit fresh food an. Deshalb ist Donnerstag dann Shopping Day: auf den Opalfeldern ist niemand anzutreffen, alle sind im Supermarkt.

Noch Zeit fuer ein paar Fotos von Coober Pedy und dann wurden wir auch schon abgeholt zur Tour. Im klimatisierten Bus wurden wir durch die Wueste gefahren. Bevor es aber in den Untergrund ging, mussten 2 1/2 Stunden lang erstmal alle ueberirdischen Attraktionen von Coober Pedy besichtigt werden. Ein “knowledgable Guide” ist dabei unerlaesslich, denn sonst wuerde man zwischen dem Stein, Sand und ein bisschen Gestruepp die wahren Highlights glatt uebersehen: eine Go-Kart-Bahn, ein Pferderennplatz, ein Schiessplatz und sogar ein Golfplatz ohne Gras (und doch steht da ein Warnschild “Keep off the grass”). Das Clubhaus zum Golfplatz besteht aus einem Open-Air-Kamin und einer Holzbank auf einem asphaltierten Rechteck. Dazu erzaehlen sie einem, dass der Rest abgebrannt ist (haha, guter Witz).

Danach wird man durch die Opalfelder kutschiert, sieht aber nicht viel mehr als ein paar Haufen Sand (dried Seaweed) und Maschinen. Dazu gehoeren der Blower, eine Art Riesenstaubsauger, mit dem alles aus dem Shaft (das ist der Mineneingang oder einfach Loch) rausgesaugt wird. Unten werden entweder mittels Sprengstoff oder (wer sich’s leisten kann) mit der “Tunneling Machine” Gaenge freigelegt. Meist muss man mehrere Meter tief, bevor die Opalschicht anfaengt, sodass man sich im ersten Level am besten eine Wohnung freibuddelt, damit man es nicht so weit hat, um zur Arbeit zu kommen. Auch unser Tourguide wohnt in so einer Mine und meinte, dass das groesste Problem des “Underground Living” sei, dass es immer stockdunkel ist – man also so ein schreckliches Geraet von Wecker braucht, um morgens aufzuwachen und puenktlich zur Arbeit zu kommen. An ein Leben so ganz ohne Sonnenlicht muss man sich wohl auch erst gewoehnen. Ansonsten ist alles recht einfach: Kueche und Bad werden wegen moeglichst kurzer Rohrleitungen an den Eingang der Wohnung gelegt, fuer Abwasser und Scheisse wird auch ein Raum gebuddelt, wenn der voll ist, macht man sich einen neuen daneben und auf dem alten pflanzt man am besten Baeume, die wachsen dann besonders gut. Er ist schon seit 25 Jahren hier und hatte auch die Hoffnung, den grossen Fund zu machen und reich zu werden, aber bisher ist es nicht passiert und so kutschiert er jetzt die Touristen in seinem Bus herum. Und nach Opalen suchen kann hier jeder, man braucht nur eine einfache Genehmigung fuer 45 A$ pro Jahr. Dann kann man entweder in vorhandenen Loechern weiterbuddeln oder ein paar Probebohrungen durchfuehren und wenn man Glueck hat, einen oder zwei Zugangsschaechte ausheben lassen.

So ging es auf in die beruehmten Breakaways. Hier wurden eine ganze Menge Filme (“Mad Max III, Ground Zero”) gedreht, weil die Landschaft so einmalig und unberuehrt ist. Die trockene, steinige Ebene gleich nebenan, wo wirklich fast gar nichts mehr waechst, wird wegen ihres mondaehnlichen Erscheinungsbildes “Moonplain” genannt. Dahinter verlaeuft aber eine unterirdische Wasserader: deutlich an einer sich durch die Lande ziehenden Baumreihe erkennbar. Und damit der Attraktionen nicht genug, die Australier haben noch einen mehr als 2000km langen Zaun gebaut. Der ist doppelt so lang wie die Chinesische Mauer (!) aber ist ja auch nur ein laeppischer Zaun ;-). Man nennt ihn den “Dog Fence” und er wurde errichtet, um die Dingos von den Schafen (hab zwar keine gesehen, aber macht ja nix) fernzuhalten.

Naechster Stopp war an der Umoona Mine & Museum. Da gabs eine Filmvorfuehrung – deren Informationsgehalt leider relativ niedrig war. Durch die vielen Tunnel stromern war schon interessanter. Bei dem Zuschnitt seiner Wohnung waren der Kreativitaet des “Miners” keine Grenzen gesetzt und so kann man recht unterschiedliche und gemuetliche “Hoehlen” finden.

Letzter Halt war fuer uns an einer serbischen Kirche. Diese war ebenfalls unterirdisch. Nebenan war ein Club, was fuer die Leute den Vorteil hat, dass sie, wenn sie so besoffen sind, dass sie nicht mehr nach Hause kommen, nur einen Schritt in die Kirche tun muessen – und schon ist ihnen vergeben.

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