Logbuch: Mt. Isa

Beim Fruehstueck konnten wir Snooker gucken: Higgins verlor gegen Doherty – sehr spannend. Gegen 9.30 machten wir uns auf den Weg zur Information. Die groesste und nahezu einzige Attraktion von Mt. Isa ist die Mine und die wollten wir sehen. Hier wird Kupfer, Silber, Zink und Blei abgebaut. Zu unserer grossen Enttaeuschung mussten wir erfahren, dass die 4-stuendigen Underground Tours durch die Mine nicht mehr stattfinden, seitdem es einen Unfall gegeben hat. Wahrscheinlich bauen sie jetzt deswegen eine Art Ersatzmine (das Underground Museum), die als neue Touristenattraktion herhalten soll. Ob deswegen mehr Touristen hierherkommen, wage ich ja zu bezweifeln, denn Mt. Isa (rund 20000 Einwohner) liegt mindestens 1000km von jeder anderen bedeutenden Touristenattraktion bzw. Stadt entfernt. Wenige fahren soweit mit dem Auto und nur wegen der Mine hierherfliegen? Jedenfalls hat die Stadt fuer das Museum im Jahr 2001 11 Mio. A$ bekommen und jetzt bauen sie das Ding – mehr oder weniger fleissig, denn in Mt. Isa spielt Zeit wieder mal nur eine untergeordnete Rolle: es gibt vormittags und nachmittags (Geschaefte und natuerlich auch das Internetcafe sind immerhin nachmittags geoeffnet, also spaetestens 5.30 zu). Leider ist sie noch nicht fertig und so es blieb uns nur die zweistuendige Bustour oben rum (surface tour). Die startete um 11.00 und bis dahin war noch genug Zeit, die Fossil-Ausstellung zu besichtigen. Die Fossilien stammen eigentlich aus Riversleigh, ein paar hundert Kilometer noerdlich von hier, aber da selten jemand nach Riversleigh kommt (gibt ja auch keine asphaltierte Strasse dorthin), ist die Ausstellung eben in Mt. Isa. Ist schon ziemlich beeindruckend, was es hier alles fuer komische Tiere gab – zig Arten, die kein Mensch kennt – obwohl, die Aborigines muessten sie kennengelernt haben, wenn sie schon seit 60000 Jahren hier leben, denn einige Tiere gab es bis vor etwa 20000 Jahren hier, bevor sie ausstarben.

Die Mine, die zur Zeit abgebaut wird, ist 5km lang, 1,2km breit und 1,8km tief. Es geht 32 Stockwerke unter die Erde und da unten fahren Maschinen rum, die tonnenschwer sind – sie werden in Einzelteilen runtergeschafft und unten zusammengebaut. Unten gibt es auch eine recht grosse Service-Station, die soll genauso gross sein wie die, die wir oben gesehen haben. Insgesamt sind unter Tage ca. 200 km Schienen und 500 km Strassen gebaut worden. Das abgebaute Erz wird nach dem extrahieren von Blei/Zink/Kupfer wieder in die Miene geschafft und die gesprengten Loecher wieder gestopft. Das “Abfallprodukt” ist zwar Eisenerz, aber anscheinend ist es guenstiger, es nicht weiter zu bearbeiten oder zu verkaufenm sondern wieder in die Miene zu schuetten. Wenn in ca. 30 Jahren

Entdeckt wurde die Mine von einem Herrn John (oder James?) Campbell Miles, der eigentlich auf der Suche nach Gold war. Das hat er in dem Fluss (Leichhardt River) gesucht und hier gecampt. Aber sein Pferd ist ihm ausgebuechst und wo fand er es wieder? Auf einem Haufen Kupfererz. Und dann war es wohl nur noch ein kleiner Schritt bis zur Gruendung der Stadt Mt. Isa, eine Verballhornung von Mt. Ida (eine Stadt in Westaustralien, wo wirklich Gold gefunden wurde). Heute ist es die Aktiengesellschaft MIM (=Mount Isa Mines), die hier hauptsaechlich mit dem Abbau der Erze beschaeftigt ist.

Zum Bergwerk gehoert ein 273m hoher Schornstein (stack for the fumes). Als der gebaut wurde, musste man in den Beton Eis mischen, damit er nicht zu schnell trocknete – bei der Hitze hier kein Wunder. Aber es gab waehrend der Bauphase in der ganzen Gegend kein Eis mehr, weil die ganze Eisproduktion an MIM zum Bau des Schornsteins ging. Unglaublich.

Es gibt eine Kupferschmelze und mit der Eisenbahn wird das Kupfer (als Anodenbloecke mit 98.5% Kupfer, die 375 kg wiegen und 1000 Dollar wert sind) nach Townsville transportiert und dort per Elektrolyse in 99.999prozentiges Kupfer verwandelt. Uebrigens fahren auf der Eisenbahnstrecke (Mt. Isa – Townsville sind die Endstationen) auch Personenzuege: 2x pro Woche. Dann gibt es eine Bleischmelze, da kommen 4 Tonnen schwere Bloecke raus, die kleiner als einen Kubikmeter sind und bis auf das Blei noch 10kg Silber enthalten. Diese Bloecke werden auch per Eisenbahn (oder Triple-Roadtrain) zuerst nach Townsville und von dort mit dem Schiff nach London transportiert, da besitzt MIM eine Fabrik, die das Silber extrahiert und weiterverwertet. Das Silber, das hier gefoerdert wird, wird also vollstaendig in Europa verkauft. Sie schicken auch regelmaessig Schlamm nach Hamburg, aus dem doch irgendwie Gold rausgeholt wird, aber niemand weiss, wieviel.

Die Leute, die in der Bleischmelze arbeiten, werden gesundheitstechnisch strengstens ueberwacht, muessen zweimal taeglich duschen und Klamotten tauschen (die werden direkt dort gewaschen), damit sich kein Blei im Koerper anlagert. Jeden Monat wird das Blut untersucht und wer doch Blei drin hat, bekommt sofort einen anderen Job. Der Tour Guide hat uns auch ein Fahrzeug gezeigt, mit dem unten das Erz aus dem Stollen geholt wird. Es wurde in Finnland gebaut, die Fahrerkabine ist klimatisiert und hat einen CD-Player – damit der Fahrer bei seiner langweiligen, stupiden Arbeit nicht einschlaeft, darf er seine eigene Musik mitbringen. An sich keine schlechte Idee, aber da muss man schon eine grosse CD-Sammlung und einen breiten Musikgeschmack haben, damit einem bei 8-10 Stunden Arbeit taeglich nicht die eigene Lieblingsmusik zu langweilig wird. Die Leute unter Tage arbeiten uebrigens 2 Tagschichten, 2 Nachtschichten und haben dann 4 Tage frei. Die Schichten sind jeweils 12 Stunden von 8 bis 8. Und zum Schichtwechsel, wenn keiner unten ist, erfolgt immer eine Sprengung. Die kann man dann als Minierdbeben in der ganzen Stadt spueren. Heute waren wir um 7.05 im Cinema und haben “Ned Kelly” gesehen – Punkt 8 hat es geruckelt. Man kann tatsaechlich die Uhr danach stellen.

Nach einem Lunch im Motelzimmer statteten wir dem Royal Flying Doctor Service (RFDS) noch einen Besuch ab. Die haben dort eine automatisch ablaufende Show: wenn man in den Raum hineinkommt, wird automatisch die Videovorfuehrung gestartet, das Video wird zurueckgespielt, das Licht abgedunkelt und los gehts. Eintritt wird in die Kasse des Vertrauens gezahlt – nun, ja, sie brauchen ihre Leute fuer wichtigere Dinge. Da kann man dann jede Menge alte Zeitungsartikel, Buecher und uralte Funkgeraete und Arzneien bestaunen. Ist ganz witzig.

Anschliessend fuhren wir zum Lake Moondarra, der Mt. Isa als Wasserversorgung dient und gleichzeitig als Erholungsgebiet. Nun ja, ein paar Leute sind auf dem See gepaddelt und man konnte erkennen, dass gerade Parkplaetze im Bau sind, aber ansonsten wirkte die ganze Anlage noch nicht so einladend, so dass wir auf das Bad verzichtet haben, zurueck in die Stadt gefahren sind, diesmal bei Eagle Boys eine Pizza geholt haben, um damit standesgemaess das Dinner am City Lookout einzunehmen. Natuerlich waren wieder jede Menge Leute dort, die den Sonnenuntergang fotografiert haben – moechte nicht wissen, wie oft dieser eine (aber immerhin gut dafuer geeignete) Baum schon als Vordergrundsilhouette fuer das Sonnenuntergangsfoto herhalten musste.

Dieser Beitrag wurde unter Australien 2003, Logbuch veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>