Logbuch: noch in Alice Springs

Nachdem wir heute mal laenger geschlafen haben (wir haetten beinahe das Fruehstueck verpasst: Toastscheiben mit Butter und Marmelade oder Honig plus Getraenke), wurde zunaechst RepCo Autoparts angesteuert, um alle moeglichen Utensilien (Rampe, Oelfilter, Dichtungsringe, Auffangschale, Hammer) zum Oelwechsel zu erwerben. Der Oelwechsel fand dann kurzerhand auf dem Parkplatz statt – gut, dass ich bei Shell in Sydney eine Rolle Toilettenpapier organisiert hatte. Die ganze Oelwanne wollte Guido dann aber doch nicht abbauen – zuviel Aufwand. Ansonsten waere der Sonntag vormittag guenstig fuer den Besuch des Todd Street Mall Markets gewesen.

Erste touristische Attraktion heute war dann die alte Telegraphenstation Alice Springs. Diese liegt etwas noerdlich von der heutigen Stadt Alice Springs, die frueher Stuart hiess (Alice war die Frau von Stuart, der die Aufgabe uebernommen hatte die OT (Overland Telegraph) Line von Port Augusta nach Port Darwin (so hiess es damals) zu bauen. 12 Verstaerkerstationen etwa alle 250km sollten errichtet werden. Dass das schwerer war als gedacht, hat er erst gemerkt, als er den Auftrag schon angenommen hatte: 3000km Wueste und Regenwald waren zu ueberbruecken und der groesste Teil davon war noch unerforscht. Man musste also ueberhaupt erst einmal einen Weg durch die trockene Wueste und den moskitoverseuchten Dschungel finden. Der Wuestenteil war relativ leicht zu bewaeltigen. Man hatte eine Menge Kamele zur Verfuegung (jedes schleppte 250kg), die waren solche Bedingungen ja gewohnt. Probleme gab es vor allem im Norden, denn da weigerten sich die Leute, unter diesen Bedingungen zu arbeiten – wuerde ich auch nicht koennen bei diesen Insektenschwaermen. Jedenfalls hat sich Herr Stuart (oder war es ein anderer?) dann persoenlich darum gekuemmert und sie haben es doch noch rechtzeitig geschafft. 1872 wurde die erste telegraphische Nachricht uebermittelt.

50 Jahre spaeter, 1932, wurde sie auch schon wieder geschlossen (moderne Technik wurde auch in Australien verfuegbar) und erlebte dann ein Stueck weniger glorreicher Geschichte. Diese ist mit den Aborigines verbunden: die Station diente einige Zeit als eine Art Kinderheim fuer die Kinder von Aborigines, weil man der Meinung war, diese europaeisch erziehen zu muessen.

Waehrend des zweiten Weltkrieges lungerten ein paar Soldatentrupps da rum und spaeter wurde dann wieder der urspruengliche Zustand der Telegraphenstation hergestellt, damit sie fortan an als Museum und Zeugnis der Geschichte dienen kann.

Der wichtigste Mann auf der Telegraphenstation war der Station Master. Er musste aufpassen, dass der Telegraph auch staendig morste und alles in bester Ordnung war (also der Whiskey durfte nur fuer medizinische Zwecke benutzt werden und ausnahmsweise nach ganz schwerer Arbeit). Aber obwohl die Regeln so klangen, als ob er da allein fuer alles verantwortlich war, gab es noch seine Familie und eine Menge Angestellter, von denen die meisten fuer die Stromerzeugung zustaendig waren. Ach, und der Hufschmied hatte wohl auch noch alle Haende voll zu tun, denn Pferde waren da das Haupttransportmittel. Alle benoetigten Gueter wurden von der Regierung rationiert und einmal im Jahr per Kamel von Adelaide angeschleppt (500km). Eine Frau, die als Kind auf der Station gelebt hat, schrieb ein Buch darueber: “Alice … on the line” (den Namen hab ich vergessen, aber das ist in Australien ein Bestseller, das sollte man finden).

Nachmittags besuchten wir die School of the Air. Die zeigten ein nettes Video und man konnte Bilder und andere Arbeiten der Schueler sehen. Waere es ein Schultag gewesen, haetten wir auch live beim Unterricht zuhoeren koennen.

Desert Farm – Film, wo am Schluss die Leinwand verschwindet und der Desert sichtbar wird, Birds of Prey, Woodlands, Eisautomat, Nocturnal House, Sand Country Habitat, Desert Rivers Habitat – Ameisenstrassen

Internet

Doener Kebab Balkon

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