Logbuch: Tennant Creek – Alice Springs

Von Tennant Creek ging es weiter Richtung Sueden. Nach 106 km bereits die erste Attraktion: Devils Marbles. Ein paar Steine, die wie hingemurmelt in der Landschaft umherliegen. Aber schon so gross, dass man als Nicht-Kletterer Schwierigkeiten hat, sie zu erklimmen. Fuer die Aborigines sind es die Eier der Regenbogenschlange (die ja in allen Geschichten zur Erdentstehung vorkommt). Recht beeindruckend. Ja, sogar so beeindruckend, dass ich meine Minolta-Analog-Kamera endlich aus der Tasche geholt und ein paar Fotos gemacht habe – mit Polarisationsfilter sollte der Himmel endlich mal richtig blau sein. Das Vergnuegen, von einer Riesenmurmel zur naechsten zu klettern und weitere beeindruckende Motive einzufangen, wurde nur durch die laestigen Fliegenschwaerme getruebt. Unser naechster Stop erfolgte in Ti-Tree, wo es ausser dem obligatorischen Roadhouse auch eine Gallereaterie (“Red Sand”) gibt – eine Art Gallery der Aborigines, die eigentlich mehr ein General Shop ist, der alles und eben auch Aborigine Art verkauft. Neben den Didgeridoos und Boomerangs sogar Notizbloecke, Bilder und ein Designerstuhl – Versand weltweit inklusive. Angeblich soll man gelegentlich auch den Kuenstlern bei der Ausfuehrung ihrer Kunst zuschauen koennen. Ein Arbeitsplatz war zwar deutlich sichtbar vorhanden, aber der Kuenstler war wohl gerade im Urlaub oder sonstwie anderweitig beschaeftigt. Vielleicht wird aber auch erst wieder Kunst produziert, wenn durch den Verkauf der fertigen Dinge wieder Platz ist, denn der Laden war richtig voll davon. Kein Wunder, denn viele Leute kommen an diesem verlassenen Fleck Erde sicher nicht vorbei – und wenn, dann sind es eher arme Backpacker, die sich Kunstwerke fuer ein paar Hundert Dollar nicht leisten koennen. Da in dem Shop eigentlich nur typisch englisches Fast Food (=Fish’n’Chips) oder labberige Sandwiches verkauft wurden, bestand unser Lunch mal wieder aus reichlich viel frittiertem Fett. Dafuer konnten wir gemuetlich im Schatten sitzen – natuerlich wieder von einem brummenden Fliegenschwarm umgeben. Nachdem der Reisebus mit einer Ladung deutscher Touristen abgefahren war, hatten wir die ganze Terrasse fast fuer uns allein.

Und weiter gings bis Alice Springs. Da Motels hier wieder mal teuer sind, haben wir uns in Elke’s Outbackpackers einquartiert und (bisher) ein 2-Bedroom-Apartment mit Bad, Kueche und Balkon fuer uns und $45/Nacht allein. Bei dem Preis kann man auch nicht meckern, wenn im Bad der Wasserhahn laeuft, die Klimaanlage nicht einzuschalten geht, der Radiowecker kaputt ist, es keine Handtuecher und kein Geschirr in der Kueche gibt. Dafuer ist die Aussicht vom Balkon klasse und der Pool sauber und mit Sonnensegel. Morgen frueh werden wir mal die Gemeinschaftskueche besichtigen.

Wir waren noch auf dem Anzac-Hill. Anzac = Australia New Zealand Army Corps. Da steht wieder so ein Kriegsdenkmal – naja, viel hatte man hier nicht damit zu tun, denke ich. Aber vom Huegel hat man einen schoenen Ausblick auf die Stadt und es scheint ein australientypischer Touristensport zu sein, die Huegel der Staedte zu erklimmen und dem Sonnenuntergang zuzuschauen. Richtig australisch ist es jedoch nur, wenn man Wetten darueber abschliesst, wielange der Sonnenuntergang dauern wird – in Croyden waren es 17min36sec und eine deutsche Frau hat die Wette gewonnen.

Dann waren wir noch im City Center – sind aber gleich am Beginn der Fussgaengerzone (Todd Mall) im Kino haengengeblieben und haben “Maid in Manhattan” gesehen. Danach sind wir noch kurz bis zum Ende dieser Mall gelaufen. Da hingen jede Menge Aborigines rum, aber sonst war alles tot. Von Alice Springs haette ich eigentlich mehr quirliges Nachtleben erwartet. es gibt hier nur einen NAchtclub und ein paar Restaurants. Dummerweise finden die interessanten Events (“Sounds of the Starlight Theatre” oder “Ted Egans Outback Tales&Songs” oder sogar die Fuehrungen durch Sehenswuerdigkeiten bzw. Touristenattraktionen) nur waehrend der High Season statt, also von April bis Oktober. Heute ist aber erst der 29. Maerz und so ist hier noch Low Season = tote Hose. Dabei ist das Wetter eigentlich schon so wie im April auch. In einem Schaufenster gab es Fotos und Poster von Roadtrains (die groessten, schwersten, meisten auf einem Haufen).

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