Restaurant Kochstraße

Gestern wollte ich Gemüsebratlinge machen. Pascale kennt vom Schulessen Gemüseburger, die sie gern isst und deshalb auch mal machen wollte. Mein Rezept sah allerdings Curry und Kurkuma als Gewürze vor, das wollte sie auf keinen Fall. Deshalb schlug ich ihr vor, dass wir einfach zweimal Gemüseburger machen. Ich meine, sie ihre. Dann können wir beide Sorten probieren und sehen, was uns besser schmeckt. Pascale war einverstanden.

Pascale wollte ein eigenes Rezept erfinden. Sie überlegte, woraus die Gemüseburger denn bestehen könnten. Möhren sind drin, fiel ihr ein. Sie fing an, Möhren zu schälen und zu schneiden. Sie wollte große Stücke. Und dann wollte sie noch Reis. Sonst nichts. Nur ein Ei, damit es schön zusammenklebt. Hm, ich schlug ihr noch verschiedene andere Gemüsesorten vor. Nach einer Weile akzeptierte sie Porree. Ich kochte also Reis und Pascale manschte Möhrenstücke, Porreeringe, Reis und ein Ei zusammen. Da das noch nicht so gut klebte, nahm sie ein weiteres Ei und Paniermehl dazu.

Plötzlich kam Pascale die Idee, dass wir ja Restaurant spielen könnten. Sie wollte den Kellner spielen, Janosch und ich sollten Gäste sein. Zu dem Zeitpunkt ahnte ich nicht, wie aufwändig das werden würde. Als die Burger fertig waren, musste nämlich noch ein Restaurant-Schild gebastelt werden, eine Speisekarte geschrieben und ein Fruchtdrink gemixt werden. Es sollte ja auch Getränke geben. Den Fruchtdrink wollte Pascale gern als frisch gepressten Saft aus Orange, Zitrone, Apfel und Banane machen. “Mama, kann man Äpfel in der Saftpresse auspressen?” In der Zitruspresse nicht, nein. Deshalb schlug ich vor, das Obst im Mixer zu pürieren und mit Wasser zu verdünnen. Sie war einverstanden.

Als Janosch vorbeikam, wollte er unbedingt auch kochen und nicht nur Gast spielen. Das ging nicht, denn wir waren schon fertig mit kochen. Da wollte er die Speisekarte schreiben. Aber er kann doch noch gar nicht schreiben. Na, dann eben Bilder dazu malen. Bis Pascale sich darauf einlassen wollte, Janosch mitmachen zu lassen, wollte Janosch schon nicht mehr. Aber essen wollte Janosch jetzt. Pascale: “Nein, Janosch, das Restaurant hat noch nicht geöffnet.” Für das Restaurantschild wollte Pascale von mir wissen, wie das Restaurant heißen könnte. Auf die Schnelle fiel mir nur ein “Restaurant Kochstraße”. Das gefiel Pascale.

So konnte es dann doch bald Essen geben. Leider schmeckte Janosch der Gemüseburger von Pascale nicht und meiner erst recht nicht, denn auch er mag indische Gewürze nicht. So aß er nur Himbeeren und Brombeeren und trank den selbstgemachten Fruchtdrink. Obwohl der Drink angeblich nicht gut schmeckte. Ich fand Pascales Burger etwas zu fest und aß lieber meine. Pascale fand ihre Burger total lecker, jedenfalls die ersten drei Stück. Danach schmeckte ihr der vierte nicht mehr und plötzlich verzog sich sie sich nach drinnen.

Später fragte sie mich, ob ich wüsste, was sie da macht. “Ich sitze auf dem Grübelhügel.” ??? “Das bedeutet, dass ich traurig bin.” Oh, warum? “Naja, ich hatte mir das so toll vorgestellt mit dem Restaurant, aber keiner mag meine Gemüseburger, der Fruchtdrink schmeckt auch nicht. Das ist doof.” Aber vorher hatte sie mir noch sehr überzeugend versichert, dass es überhaupt nicht schlimm wäre, wenn das Essen nicht sooooo lecker wird, weil wir es ja zum ersten Mal ausprobieren. “Davon geht die Welt nicht unter.” Na gut, untergegangen ist die Welt nicht, aber ein paar Minuten traurig sein auf dem Grübelhügel mussten schon sein, um die Enttäuschung zu verarbeiten. ;-)

Achso, den Kellner hat Pascale tatsächlich noch gespielt und uns gut bedient. Nur bis zum Abräumen ist sie nicht gekommen, denn da saß sie ja auf dem Grübelhügel (das ist der Sitzkissenstapel).

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