Schulstart

Pascale wollte zwar gern, dass die Ferien ewig dauern, aber jetzt hat sie doch Spaß an der Schule. Das liegt wohl vor allem daran, dass sie statt ihrer rosa Mappe den schönsten Rucksack, den man sich nur vorstellen kann, bekommen hat (ein Bild). Aber auch daran, dass sie im neuen Klassenraum den besten Platz bekommen hat, den sie sich vorstellen kann: ganz hinten am Fenster allein auf der Bank. So kann sie ungestört den ganzen Tag aus dem Fenster schauen und träumen, weil das, was drinnen vor sich geht und als Unterricht bezeichnet wird, ja viel zu langweilig ist. Und ich denke, es gibt noch einen dritten Grund, warum die Schule im Moment Spaß macht: alle sind noch so richtig schön entspannt von den Ferien, keiner ist gestresst, man fängt noch etwas gemächlich an. Mal sehen, ab wann Pascale wieder jammert, dass sie in der Schule zu viel gescheucht und gedrängelt wird.

Bei Janosch ist auch noch alles ganz entspannt. In der ersten Woche ist erstmal Kennenlernen und Eingewöhnung angesagt, richtigen Unterricht gibt es erst nächste Woche. Janosch ist allerdings schon ganz ungeduldig und hätte am liebsten schon diese Woche richtigen Unterricht – anscheinend ist er ganz wild aufs Lernen. Wenn man ihn fragt, kann er aber auch nicht sagen, was er eigentlich lernen will.

Die Lehrer nennen das, was diese Woche gemacht wird, Methodentraining. In der Montessori-Schule gibt es ja Lerngruppen für Klasse 1-3 (gelb und orange) und 4-6 (rot und blau). In jeder Lerngruppe sind bis zu 24 Kinder, 1 Lehrer und 1 Erzieher. Und damit nicht alles durcheinander geht, haben sie ganz bestimmte Regeln und Abläufe. Die Kinder, die schon länger da sind, wissen natürlich, wie der Hase läuft, aber die Anfänger sollen das in dieser Woche lernen. Eine Sache weiß ich auch schon: wenn in der Unterrichtsstunde alle ruhig sein und nicht beim Arbeiten gestört werden sollen und jemand auf die Toilette muss, dann muss er sich nicht melden und um Erlaubnis fragen, sondern macht mit den Fingern das OKAY-Zeichen der Taucher (Bild) und geht leise aus dem Raum.

Am ersten Tag durfte Janosch schon mal seinen Namen auf einen Ordner, ein Deutschheft, ein Matheheft und das Elternheft schreiben. Das Elternheft bekommt man am Freitag immer mit nach Hause, um zu sehen, was das Kind in der vergangenen Woche alles gelernt hat. Die Namen der Lehrer und Erzieher konnte sich Janosch bisher nicht merken. Er meinte nur, dass die Lehrerin der gelben Lerngruppe netter ist als die Lehrerin der orangen Lerngruppe – leider ist er in der orangen Lerngruppe. Die Namen der anderen Kinder kennt er auch noch nicht. Nur von einem Jungen hat er sich den Namen gemerkt. Der heißt Niclas, sitzt diese Woche auf dem Platz neben ihm, gehört aber zur gelben Lerngruppe und lernt daher ab nächste Woche in einem anderen Raum. Janosch wollte sich schon mit ihm anfreunden, aber Niclas hat das gleich abgelehnt. Nun denn, ich hoffe, er findet noch Kinder in der orangen Gruppe, die er mag und die auch seine Freunde sein wollen.

Gestern hat mir Janosch erzählt, dass sie ein wenig Englisch gelernt haben: Wörter für Farben. Black, green, blue, yellow und red kannte er ja bereits aus dem ipad-Spiel mit Käpt’n Sharky. Gestern hat er dann noch pink, grey und orange gelernt. Na, wenn das nichts ist. ;-)

Heute morgen auf dem Weg zur Schule sagte er mir, ich solle unbedingt Stift und Papier mitbringen, um die Zahlen einer anderen Sprache abzuschreiben. Ich wunderte mich. Zahlen einer anderen Sprache? Was soll das denn sein? Ich fragte ihn, welche Sprache, aber er wusste es nicht. Dann sagte er mir, die Zehn sieht aus wie ein Kreuz. Oh, da ging mir ein Licht auf: er meint die römischen Zahlen! Und er malte mir mit dem Finger fast alle römischen Zahlen von I bis X in die Luft. Ich war beeindruckt. Nach nur 2 Tagen kann er korrekt die römischen Zahlen, obwohl sie nicht Unterrichtsstoff waren? Wie ging das denn? Später im Klassenraum zeigte er es mir: an der Wand hingen 10 kleine Bilderrahmen, die jeweils zwei Bilder enthielten, einmal die Zahl, wie wir sie schreiben und daneben die römische Zahl. Wow, waren die zwei Tage so langweilig, dass er die ganze Zeit die Wand mit den Bildern angestarrt hat?

Ich finde es nur merkwürdig, dass er sich alle Arten von Zahlen perfekt merken kann, nicht aber Buchstaben und Namen. Rechnen kann er schon ganz großartig, wie das mit dem Lesen gehen soll, ist ihm noch ein äußerst geheimnisumwobenes Rätsel.

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